User generated bullshit
Oct 6th 2009
Nein, ich möchte nicht in nostalgisch wertfreie Ewig-Gestrigkeit verfallen. Das Meiste war früher schlicht anders scheiße. So empfand man z. B. das TV-Programm als weniger verblödend, kein Wunder, es gab nur 3,5 Sender. Heute gibt’s derer 35 und sie übertreffen einander in ihrer Einfallslosigkeit. Die kleine schwachsinnsfreie Insel ARTE weicht des nachts auf der Kabelfrequenz einem schmerzbefreiten Spartensender namens “Bibel-TV”. Dem Herrn sei dank, dass ARTE auf DVB-T unbekümmert weitersendet. Denn die Privaten wiederholen zu diesen unchristlichen Zeiten die Wiederholungen ihrer zuschauergenerierten Erbärmlichkeiten. Und so können wir irgendwelchen Dullies beim Garten umgraben zusehen, von bedeutungslosen F-Promis kochen lernen und süße Zootierbabies beim Scheißen bewundern. Vorbei die Zeit als die Sielmanns und Grzimeks ins ferne Afrika düsten und das Viehzeuch artgerecht vor Ort filmten.

Mach es wie die Taschenuhr, zähl die dunklen Stunden nur
Die Werbebranche hat längst begriffen, dass kreativitätsbereinigte Sendeverbrechen vom Kaliber “Wie renoviere ich mein 35qm-Wohnklo” oder “Schwachkopf tauscht dämliche Schlampe gegen hässliche Planschkuh” bestenfalls Einzeller mit nicht vorhandenem Einkommen vor die Glotze locken. Und so passiert es, dass selbst nächtliche Spielfilmwiederholungen gar nicht oder nur kurz - um den Anschein zu wahren - von der Eigenwerbung der Sender unterbrochen werden. Einige besonders “mutige” Schwallstrahler ersetzen die abhanden gekommenen Werbeblöcke durch Mini-Versionen ihrer berüchtigten Call-in-Shows. Werbefreie Spielfilme erfreuen freilich den nachtaktiven Gelegenheitszapper, aber die Abwesenheit der Reklame zeigt, dass die Abwärtsspirale nicht aufzuhalten ist. Das Privatfernsehen demonstriert mit seiner unsäglichen Prekariatsbespaßung allzu deutlich, dass es eine Zielgruppe ohne Kaufkraft bedient, und die Zwangsgebührenfinanzierten kopieren diesen entsetzlichen Ausschuss aus unerfindlichen Gründen mit ihren armseligen Eigenproduktionen. Das duale Rundfunksystem unterbietet das Mittelmaß und die Kompassnadel zeigt weiter gen Süden. Das gönn’ ich denen!

TV banal: die Faszination, sich selbst beim Sterben zuzusehen, scheint ungebrochen
Das Printmedium, von nativ-digitalen Rand-Existenzen verächtlich als “Holzpresse” ver(un)glimpft, sieht ebenfalls einer frostigen Zukunft entgegen. Die Online-Ableger der Magazine holzen eifrig im real existierenden Blätterwald und der Leser fragt sich zu recht, warum für etwas zahlen, das in digitaler Form bereits Tage früher gratis und gut sortiert im Web herumflattert. Einige Online-Redaktionen versuchten vor zwei, drei Jahren in einem Anflug von 2.0-Hippness Userblogs zu etablieren und flogen mit dem zaghaft generierten Leser-Nonsens auf Beepworld-Niveau längsseits auf die Fresse. Mainstream-Verleger Burda fand unlängst in Google den Schuldigen für den schleichenden Niedergang. G+J entließ einige hundert Mitarbeiter, legte effizienz-versessen die Redaktionen zweier Finanz-Gazetten zusammen und erwirtschaftete dennoch weniger Gewinn. G+Js altgedientes Altweiber-Schlachtross “Brigitte” geht nun ganz neue Wege. Für die Modefotostrecken will das Blatt fortan die eigenen Leserinnen rekrutieren. Man wolle - so heuchelt man - ein Zeichen wider die Magersucht der professionellen Models setzen.

Wer in einem blühenden Frauenkörper das Skelett zu sehen vermag, ist ein Philosoph. (Kurt Tucholsky)
Ach Gottchen. Zum einen besteht das “Problem” der bulimischen Schleichkatzen seit Dekaden. Zum anderen kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass dort draußen keine einzige Agentur existiert, die Damen mit einer Konfektionsgröße über 38 unter Vertrag hat. Es ist zu offensichtlich, dass man sich just in dem Moment auf die natürliche Schönheit der Verwaltungsangestellten aus Bottrop besinnt, in dem die Liquidität des Verlags so rasch vertrocknet wie das Bindegewebe der Zielgruppe. “Brigitte” wird möglicherweise einen ähnlichen Weg gehen wie Pro7Sat1RTL und mit Leserinnen-Footage endgültig zur Matronen-Postille verkommen. Ich warte gespannt auf die ersten Knips- und EBV-Kurse im Blatt und auf der Webseite, denn irgendwann wird vermutlich auch das Budget für eigene Fotografen eingespart. Mode verkauft Illusionen, die Illusionen einer Perfektion die unerreichbar bleiben muss. Träume setzen Wünsche voraus und ob man mit Luise aus Castrop-Rauxel Begehrlichkeiten generieren kann, sei dahingestellt. Für den ernüchternden Reality Check sorgt bereits das Prekariatsfernsehen. Die Medienlandschaft quillt vor lauter unansehnlicher Alltagsnormalität geradezu über. Wollen wir für G+Js Wöchnerinnenblatt hoffen, dass einige Krümel auf dem Kuchenteller bleiben und dass Mama Bottrop bereit ist, für den langweiligen Arsch der Nachbarin auf Hochglanz ein paar Euretten abzuzwacken. Denn das Letzte das die Welt Hamburg braucht, ist ein Rudel freigestellter Redaktionsschranzen vom Baumwall.

Let’s have some fun - this beat is sick - I wanna take a ride on ya disco stick
Auch Musik verkauft Illusionen. Einigen reicht der Traum, sich einmal im Leben von irgendeinem Star rammeln zu lassen, andere träumen von einer eigenen Karriere, um irgendwann ein lebloses Groupie zu vögeln. Die Instrumenten-Branche bedient letzteren Markt. Nie zuvor war es einfacher, mit geringen finanziellen Mitteln bedeutungslosen Content zu realisieren. Ein toller Zeitvertreib ist’s obendrein, denn hat man eine Software ansatzweise begriffen, erscheint eine neue Version, die ersteinmal erlernt werden will und im Idealfall die Kompatiblität mit dem neuen Betriebssystem des Rechners verweigert. So bleibt der Fachjournallie Raum, um mit Workshops und lieblos regidierten Pressemeldungen die schwindenden Anzeigen zu kompensieren und der User findet genügend Gründe, nicht ernsthaft produktiv mit dem ganzen Gelumpe arbeiten zu müssen. Denn selbst wenn das Bananenprodukt irgendwann ordnungsgemäß läuft, es strömen stetig neue Gadgets, Plug-ins und Add-ons in den Markt, die es zu aquirieren und zu beweihräuchern gilt.

Dennoch geriet auch die papier-gestützte Schrammler-Fachpresse im Fahrwasser der Tonerzeuger-Branche und ihrer unheiligen Peripherie ins Schlingern. Das Internet mit seinen Foren, Blogs und Terabytes von kostenlosen Tutorials in Text- und Videoform setzte den Muckerblättern zu und sorgte hie und da für Umstrukturierungen im Portfolio. Einige Magazine bedienen zum Selbstkostenpreis eine Nische, andere fassen mehrere Nischen zusammen und bieten mit der obligatorischen Heft-CD voller Krempel einen allerletzten Kaufanreiz für die übriggebliebenen Modemsurfer in infrastrukturell suboptimierten Agrar-Regionen. Im deutschsprachigen Raum gibt es ein halbes Dutzend nennenswerter Webseiten, die den Markt der Audio-Prosumer schneller und gezielter bedienen als gedrucktes Schriftenwerk das ohne die Möglichkeit der Interaktion je könnte. Doch auch dort fängt man nun an, User-Content in den redaktionellen Prozess zu integrieren. So “fusioniert” das Blogdingens Musician’s Life mit dem Forenportal “Homerecording” zu einem Gebilde namens Recording. Ziel der Übung: aus den Beiträgen der Homerecordler verwertbare Artikel basteln. Von RTL2 lernen, heißt siegen lernen!
Runderneuert sind die Bereiche Songvoting, Chartshow und Produktbewertungen. In den kommenden Wochen werden wir RECORDING.de noch um Termine und Kleinanzeigen erweitern
Chartshow, huh? Keine Klingeltöne? Ich bin gespannt, wann die Fotolovestory kommt. Man könnte auf der nächsten Musikmesse irgendeinen Kellerfrickler authentisch einwandfrei mit einer semi-attraktiven Marken-Animöse verkuppeln. Mr. Keller friemelt mit künstlerisch wertlosen Apple-Loops einen triefigen Lovesong zusammen, das kurzberockte Messehuhn schmilzt dezent choreografiert dahin und irgendein quasi-ehrenamtlicher Redaktionshansel filmt den Schmu mit dem neusten Camcorder von Sony. Editiert wird die Seife mit Adobe Premiere Elements und fertig ist das Youtube-gerechte Product Placement.
Grundgütiger Gott, wenn ich einen Wunsch frei habe, dann ist das ein Web 3.0 mit dem Geist von ‘97. Bis es soweit ist, werde ich besser meine DVD-Sammlung aufstocken und die Anschaffung einer dieser flachen Plasma-Glotzen ernsthaft in Erwägung ziehen.
Yo, GEMA
Apr 1st 2009
ich hab die Neuigkeit schlechthin:
wir sind hier im Internet! Gezz echt! Und Youtube ist unser Fernseher. Und den schalten wir erst ab, wenn es uns passt. Wir alle verstehen Mama Googles Tochter in ihrem Entschluss, nicht auf eure Forderungen einzugehen. Denn wirklich sperren können sie all die Videos nicht und ich schätze, das wissen die auch.
Hier, gumma Alda ey und GEMA nich aufn Zeiger, wa.

Und selbst wenn es solche Proxys nicht gäbe, der Verlust hält sich in Grenzen.
Ein paar Mainstreamsongs sind platt. Wayne?, frag ich mich.
Update:
der YT-Proxy will auch nur unser Bestes.
Your credit is over try again in 383 minutes or buy some credit.
To avoid the proxy server overloading the free service is limited to 8388608 bytes every 8 hours.Only for 1.50 Euro you can continue surfing!
Wenn die Medien Amok laufen
Mar 12th 2009
Es war die schnellste Show on earth line. Es war das fürchterlichste, pietätsloseste, übelste und überhauptste Stück Nachrichtengeschichte, das wir seit einigen Monaten erleben durften. Endlich war mal was los, etwas anderes als die schnarchlangweilige Konjunkturberichterstattung irgendwelcher Krisenherd-Mamsells. Endlich gab’s einen Hauch von richtigem Krieg, ganz in der Nähe, die rasenden Reporter konnten mit dem Auto hinfahren.
Gnadenfreie Twitterness
Mar 9th 2009
Ist ja alles schön und gut, man weiß am Freitag schon, was Montag und Dienstag in der Zeitung stehen wird, abgesehen von den Lottozahlen. Aber genau das ist das Problem: das Netz wird dann schnell langweilig.
Twitters Minimalismus zeigt gnadenlos, wie überflüssig die meiste Sabbelei all dieser ach so wichtigen On- und Offlinegazetten im Grunde ist. Wenn Twitter irgendwann auf 500 Zeichen upgraded, können 75% der Flackerbanner-verseuchten Pressemeldungskopierer der Rocky Mountain News in den Orkus folgen.
Gutachten zur Netzzensur
Feb 9th 2009
Story und O-pdf bei Netzpolitik.
Die Pläne der Bundesregierung sind ein Dammbruch für Internetzensur in Deutschland und gefährden die offene Infrastruktur des Netzes und unsere Kommunikationsfreiheiten.
Worst case also. Wie immer, seit Jahren. Es sieht wirklich überall übel aus.
Big Biz Bloggin’
Nov 18th 2008

My blog is worth $878,661.40.
How much is your blog worth?
Bei ‘ner Mio. werd ich’s verscheuern.
Pfui Deibel
Jul 11th 2008
Das Internetz - ein Sündenpfuhl
Immer mehr deutsche Internetnutzer beklagen sich über jugendgefährdende Inhalte im weltweiten Netz. Die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM), an die sich jeder User wenden kann, verzeichnete im ersten Halbjahr des Jahres 2008 898 Beschwerden.
(…)
“Die Beschwerdestellenarbeit ist eine wichtige Aufgabe, um einerseits Kinder und Jugendliche stärker vor jugendgefährdenden Inhalten im Internet zu schützen”, sagte FSM-Geschäftsführerin Sabine Frank. “Andererseits arbeiten wir eng mit Strafverfolgungsbehörden zusammen, um kinderpornografische Angebote aus dem Internet zu entfernen.
schreibt Tecchannel
Ich bin nun seit ‘97 im Netz, mitunter auf durchaus befremdlichen Seiten. Kinderpr0n ist mir noch nicht untergekommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass einem sowas über den Weg läuft, ohne dass man explizit danach sucht.
Daher stell ich mir die Frage: was sind das für Leute, die sowas zur Beschwerde bringen? Wo treiben die sich rum? Haben sie womöglich Spaß dran?
Kauft endlich wieder CDs, ihr Hanseln!
Apr 10th 2008
Eigentlich war die Vorratsdatenspeicherung ja dafür vorgesehen Osama dem seine ganzen kleinen Neffen wegzufangen… hies es. Is natürlich völliger Blödsinn, das hat kein Schwein geglaubt. Wahrscheinlich ist Osama bin Laden in Wirklichkeit George Clooney im Pyjama und der Irak liegt in Disney Land… who fuckin’ cares?
Weil’s die Polithanseln langsam satt hatten, sich zum Gespött der Leute zu machen, dachten se sich, “gezz legen wir die Daten Karten mal auf Tisch, woll!” Unnu ham se das Gesetz schlechthin beschlossen: die sogenannten Rechteinhaber, wie Musik- und Filmindustrie, dürfen nun die bei den Providern die Nutzerdaten abfragen. Auf einen bloßen Verdacht hin. Irgendwie ‘ne saugute Sache. Man kann hoffen, dass nach einer gewissen Zeit der Traffic im Web ordentlich nachlassen wird. Wenn die ersten Schulkiddies im Knast schmoren und sich die unfrohe Botschaft, dass es gezz wirklich ernst wird, erstmal rumgesprochen hat, dürfte der allgemeine Durchsatz um 90% zurückgehen.
Ob dann wieder jemand CDs kauft? Ich glaub’s kaum. Die die Musik interessiert, haben entweder längst Regale und Festplatten voll, oder sie müssen exorbitante Strafen abzahlen. Und all jene, deren IQ die Zimmertemperatur übersteigt, wollen nichts mit einer Branche zu tun haben, die den Bürger mit Stasi-Methoden an die Wand stellt. Eine klare Lose-Lose-Situation für viele, alle anderen hängen den Arsch aus dem Fenster und denken sich “scheiß drauf”. Klasse!

Neulich in irgendeiner Schublade gefunden: ein antiker Discman. Er funktioniert sogar noch. Zum Glück, denn meinen geliebten iPod werde ich demnächst in der Bucht verscheuern. Denn es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Cops unbescholtene Bürger nach den kleinen Playern filzen. Den Dicsman verticke ich in 2-3 Jahren, er dürfte dann ein Vermögen wert sein, so wie jetzt bereits einige CDs.
Wikipedia Bullshit
Apr 1st 2008
Dass Wikipedia außerordentlich zur Verblödung der Netzgemeinde beiträgt, wurde hie & da schon erwähnt. Kein Wunder, jeder Hansel kann dort seine Halbwahrheiten absondern, irgendein anderer Hansel kann es editieren. Dennoch wird - vor allem in Foren - munter aus Wikipedia-Einträgen zitiert und allzu oft wird das Gefasel für bare Münze genommen. Warum man Wikipedias Einträge besser überprüfen sollte, zeigt dieses Beispiel.

Was für ein Blödsinn:
- die Nikon D200 war zu Zeiten der S2pro noch gar nicht auf dem Markt, sie erschien 3,5 Jahre später. Das Schwestermodell der Fuji war die D100, doch selbst die erschien 3 Wochen später. Beide basierten auf der analogen Nikon F80.
- es wurden nicht eine CR2-Batterie optional verwendet, sondern zwei CR123A.
Das ist nun wirklich nichts Dramatisches. Aber wie sieht’s aus, wenn politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Ereignisse der gewünschten Realität angepasst werden? Das ist insbesondere deshalb eine interessante Frage, weil wikipedia kommerziell von sogenannten seriösen Medien genutzt wird. SpOn sei als Beispiel genannt. Wer bei Spiegel-Online regelmäßig mitliest und sich in irgendeiner Materie etwas besser auskennt, wird schon den ein oder anderen groben Schnitzer entdeckt haben. Aber bald wird alles besser, hoff ich…
Google doch böse?
Mar 19th 2008
