Trilby
Jul 23rd 2009
Gestern wollte ich mir einen Hut kaufen, um meine Erscheinung als “eigenbrötlerischer Sonderling” (O-Ton Holzpresse für Netzbürger) zu unterstreichen. Die Wahl fiel auf einen Trilby.
Wie eine kurze Recherche ergab, war der Trilby in den 30ern ein beliebtes Kopfbedeckungsmittel. Cool, dacht ich, 30er Jahre, das ist das Gegentum von zeitnah, das so dermaßen lange her, dass es irgendwie zu mir passt. Vermutlich seh ich mit dem gottverdammten Deckel so widerlich aus, dass mich selbst Wespen und Stechmücken zufrieden lassen. Aber ich wollte schauen ob’s noch was Entstellenderes gibt. Während der kleinen Surfschau fand ich heraus, dass der Trilby als solches gerade seine Renaissance feiert. Vermutlich nicht zuletzt wegen Typen wie Doherty (der Macker, den die Moss ‘ne Zeit gerammelt hatte).
Man ist also ultrahip mit einem Trilby, frau auch, d. h. man ist obendrein auch noch metrosexuell oder - auf gut deutsch - stockschwul. Verdammte Scheisse!
Ich hab mir dann ‘ne Glatze rasiert und mit Rasierklingen “FUCK YOU” in die Kopfhaut geritzt. Sieht irgendwie auch ganz putzig aus.
Als Special Agent bewerben
Jul 4th 2009
Der Bund, genauer das BVA, sucht Spione fürs Innere. Gefährder filmen und sowas alles. Klingt nach ‘nem lockeren Job. Bei Annalist und Fefe gibt’s Deeplinks und Einzelheiten in Punkto TäterBewerberprofil. Das Wichtigste vorweg:
Die Einstellung erfolgt nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) in der Entgeltgruppe E5 im vergleichbar mittleren Dienst. Aufstiegsmöglichkeiten bis E8 sind gegeben. Daneben wird eine Sicherheitszulage gezahlt.
Also sonderlich viel kommt nicht dabei rum. Aber immerhin bekommt man ‘ne Wumme und zweckdienliche Wäsche: Bereitschaft zum Führen von Schusswaffen und zum Tragen von Schutzwesten.

Da sind sie schon: die neuen Kollegen. Der schwarze Hubschrauber ist vermutlich gerade bem TÜV
Einige Skills könnte ich sogar anbieten: gutes allgemeines technisches Verständnis und Bereitschaft zum Erlernen besonderer Fähigkeiten in den Bereichen Funk/Foto/Video und zur Teilnahme an fachspezifischen Lehrgängen und Schulungen.
Wie wär’s: ich bringe eigenes Equip mit und schule eure Frischlinge in Sachen Bild- und Filmmanipulation! Ich würde allerdings gern bei E10 anfangen und bräuchte einen Dienstwagen mit Chauffeur. Zu teuer? You get what you pay for!

Nuja, ‘ne 300Euro-Knipse, ich sag ja: you get what you pay for.
Natürlich, liebes BVA, weiß ich ganz genau, mit welchem Equip wir das Gefährdergesindel ins rechte Licht rücken - oder meinswegen auch ins linke.
Der rote Schalter
Apr 21st 2009
… und irgendwann klingt’s an deiner Tür und du schaust erst einmal aus dem Fenster, weil du keinen Besuch erwartest und das Chinafood bereits vor Stunden geliefert wurde. Draußen parken selbstbewusst ein Ford Transporter und ein 5er BWM in 2. Reihe. Geradezu selbstgefällig teilen sie die Farbe, die man zuweilen Hubschraubern vorwirft.
Nun gut, da du weder Terrorist noch sonst irgendwie originell bist, öffnest du die Tür und bittest die Jungs rein. Eine halbe Sekunde später macht es “zisch”, nach zwei weiteren Sekunden wirkt das K.O.-Spray. Nach rund zwei Stunden erwachst du in einem viel zu großen Raum, vermutlich im Kellergeschoss, in irgendeinem Büro- oder Zweckgebäude. Du sitzt an einem Tisch auf dem nichts weiter steht als ein kleiner schwarzer Kasten. Eine elektronische Schaltung ist darin verborgen, verrät der rote Schalter auf dem Kästchen. Dann schleicht ein Mann undefinierbaren Alters herein, nimmt auf diesem wunderbaren, schwarzen Chefsessel aus irgendeinem gottverdammten Ochsenleder dir gegenüber platz und erklärt die Sachlage. Das tut er in einem Tonfall, als ging’s um deinen neuen Job in der Buchhaltung.
“Sehen Sie diesen Kasten? Das ist eine Art Zufallsgenerator. Wenn Sie den Knopf drücken, werden zwei Dinge geschehen: Sie bekommen 3 Milliarden Euro aus dem bundesdeutschen Rüstungsetat, und eine Neutronenbombe vernichtet eine europäische Stadt. Damit Ihnen die Entscheidung nicht zu leicht fällt, möchte ich Sie darauf hinweisen, dass es auch Ihre Stadt treffen kann. Die Detonation erfolgt innerhalb von 15 Sekunden. Entscheiden Sie sich also für das Knöpfchen, besteht eine gute Chance, dass Sie, ich, die ganze Stadt noch heute Geschichte sind. Ich lasse Sie jetzt allein.”
Noch bevor du fragen kannst, ob die 3 Milliarden steuerfrei sind, hat der Drecksack den Raum verlassen. Und nun sitzt du da und überlegst, ob du auf’s Knöpfchen drückst. Tust du’s?
Schutzkugel
Apr 1st 2009
Angie
Feb 8th 2009
Wir stehen in einer kleinen Runde auf dem Parkplatz dieser Fabrik in der ich mal malochte. Das war ganz tief in Niedersachsen, Anfang der 90er und die zahlten mehr als ich ausgeben konnte. Ich nehme an, ich zahlte damals mehr Soli als manch einer heute Lohnsteuer.
Anyway - 5 oder 6 Leute stehen da in Geschäftskleidung und warten auf jemanden und sie faseln irgendeinen Blödsinn. Ich steh mittendrin, in T-Shirt und Turnhose, als käm ich gerade aus der Schicht (das war da wirklich unsere Arbeitskleidung, weil um die Maschinen herum immer um die 35° herrschten).
Irgendwann flüstere ich einem Unionsmitglied einen derben Witz über die Merkel zu und der Typ pisst sich fast ein vor lachen. Plötzlich materialisiert Angie in unserer kleinen Runde und dieser Drecksack wieselt hin zu ihr, zeigt mit dem Finger auf mich und petzt. Die anderen kriegen das mit und verlassen fremdschämend den Ort des Geschehens.
Ich hab längst vergessen, um was es in dem verdammten Witz überhaupt ging - und dann steht unsere geliebte Kanzlerin plötzlich vor mir und stellt mich zur Rede. Ich gebe mich zunächst desinteressiert, aber M lässt nicht locker. Irgendwann langt’s mir und ich rücke mit der Wahrheit raus und erkläre ihr, dass ich sie und ihr ganzes Kabinett von Schwerstverbrechern zutiefst verachte und nun “verdammt nochmal gern aufwachen würde!”
Sie kuckt mich an wie ein Beagle der gleich eingeschläfert werden soll und das spürt. Dann macht es “pfffft” und sie ist weg und ich steh da und fühl mich wie jemand, der gerade einen Beagle eingeschläfert hat, weil es eben ein Beagle war und kein Pitbull. Dann kommt die Gnade des Erwachens und mir wird Stück für Stück klarer, dass ich schon unterhaltsamere Alpträume hatte.
Dead Trace
Dec 1st 2008
Die Bayern-Cops können gezz Handys punktgenau scannen - trotz Rundum-Gebirge und dicker Luft im Ländle.
So weit, so schlecht. Ich frage mich, warum sie nicht ‘ne Dienstleistung draus machen und den Service dem gemeinen Bayern-Opfer für teuer Geld anbieten.
*klingeling*
“Ja hören se ma, Herr Wachtmeister, ich hab mein Handy verloren, vielleicht hat’s auch einer geklaut, weiß man ja nie. Können se nich mal tracen, wo’s is?!”“Ja wadden se ma… Es liegt unner ihrm Sofa, Sie taube Nuss. Macht 15 Euro!”
Könnte man mit den vorratsgespeicherten Verbindungen auch machen.
“Ja hören se ma, Herr Wachtmeister, könn se ma kucken, wen meine Olle vorgestern angerufen hat?”
Und meine vorratsgespeicherten Daten such ich demnächst im großen Schäuble-Ordner. Ich stelle ja extra ein Windowssystem zur Verfügung, damit die BKAisten nicht auf OS X umschulen müssen. Ich habe freilich auf allen Rechnern dieselben Daten. Ganz besonders auf denen, die nie online sind. Schwör isch!
So langsam hab ich keinen Bock mehr, mich über den ganzen Käse aufzuregen. Ich bin zum einen weichgekocht und zum anderen langweilt mich der Quatsch zunehmend. Abgesehen vom BundesPr0n - selbstverständlich. Call mäh a muthafucking Mustabürger!
Bye Premiere
Oct 3rd 2008
Glaubt man den Berichten der Fachgazetten, nagt Premiere bald am Hungertuch. Die Aktie ist im Untergeschoss, heißt es.
Kein Wunder! Nur wenige haben allzuviel Bock, gleich zwei mal für ollen Krempel zu bluten. Den schnarchlangweiligen Content der Staatssender muss man bezahlen, ob man den Rotz sehen will oder nicht, da liegt es nahe, dass Pay-TV langfristig an die Wand fährt - wir müssen schließlich alle den Gürtel enger schnallen.
Zum Krug bis er bricht
Apr 8th 2008
Stell dir vor, 17mio Anleger verklagen die Telekom und nur eine Klägerin geht zur Verhandlung.
SpOn berichtet gerade vom größten Anlegerprozess aller Zeiten. Mit Superlativen haben wir’s dieses Jahr. Er neulich feierten wir die größte Verfassungsklage seit Adolf, oder so ähnlich. Anyway - ich kann mich noch gut an die nervtötenden Werbespots zur “Volksaktie” seinerzeit erinnern.
Postleidqual
Jan 28th 2008
Neulich bei Conrad, dem großen Frickelshop am Stadtrand, so’n Tastblech erworben.

War zwo €umel teurer als beim Apfelkistenschieber. Sehr bedenklich sowas!
Naja, bei Conrad fragen sie mitunter nach des Kunden Postleitzahl, angeblich, “um den Service zu verbessern”. Welchen Service? Vielleicht sollten sie erstmal einen einrichten, bevor sie ihn verbessern. Das haben sie mit all den Metroklitschen gemein, die im Übrigen auch verdächtig oft nach der PLZ fragen (liest man).
