Luckytown
Dec 16th 2009
Nicht nur die Mauer und die beliebten Selbstschussanlagen trennten einst das Land. Es gab und gibt hie und da auch natürlich gewachsene Grenzen. Da wäre der Yangze an der deutsch/chinesischen Grenze und die Elbe, die hinterfotzig eine mehr oder weniger gerade Schneise durchs norddeutsche Flachland zieht. Bei Glückstadt (mit einem “s”), wo sie Schleswig-Holstein von Niedersachsen trennt, wartet Charon der Fährmann auf Kundschaft.
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Villa Kunterbunt steht leer
Dec 16th 2009
Eine bitterböse Zunge behauptete einst, Hamburg sei eine Ansammlung eskalierter Dörfer. Geht man die Namen der Stadtteile durch, bleibt einem nichts als zuzustimmen. Bergedorf, Osdorf, Sülldorf, Niendorf, Volksdorf (…) Tonndorf.
Tonndorf sollte eigentlich abgesperrt und eingeäschert werden bundesweit bekannt sein, denn mitten im Viertel steht das berüchtigte Studio Hamburg, Norddeutschlands größte Geldverbrennungsanlage, zu 100% im Besitz des langweiligsten Lokalsenders des zwangsgebührenfinanzierten ARD-Syndikats, dem NDR. Das Studio-Areal erfreut einer derart imposanten Größe, dass es für eine eigene Betriebsfeuerwehr reicht. Drumherum erstreckt sich eine Art Kleinstadt, die jedem Nest im Ruhrgebiet den Schneid abkaufen könnte. Klein-Hannover könnt’ man’s nennen, aber das würde Niedersachsens Provinzhauptstadt wohl allzusehr brüskieren.
Anna Alster
Dec 9th 2009
Anna Alster ist meine imaginäre Maklerin, in ihrem Bezirk stehen die meisten meiner zahlreichen Wunschhäuser.

Wäre ich nicht so eine unglaublich faule Sau, hätte ich längst so eine Bruchbude zum Schnäppchenpreis ergattert. Aber Umzüge sind anstrengend, nicht nur in Köln und Düsseldorf zu jecken Zeiten.
Abgesehen davon hat das Alsterviertel weitere Tücken. Für die Parkplatzsuche gibt es nur ein kurzes Zeitfenster, irgendwann morgens zwischen drei und fünf. Sucht man eine Nische für sein Vehikel, um ein mehr oder weniger langweiliges Bild vom Umfeld zu machen, rödelt man länger durch die Gassen als Ben Hur beim Wagenrennen. Dem aufmerksamen Beobachter wird während dieser Odyssee eine befremdliche Erkenntnis zuteil: es gibt dort keine Geschäfte. Kein Kiosk, keine Tanke, nicht mal ein halb-insolventer Tante-Emma-Laden. Nix! Dass Aldi, Penny und Lidl dort keinen Fuß in die Tür kriegen, leuchtet ein. Der Durchschnittsalstermensch würde lieber verhungern als sich deren Proletennahrung reinzuquälen. Und vermutlich müssten die Discounter ein Konsortium mit Microsoft und Google gründen, um die Miete zahlen zu können.

Wahrscheinlich schickt man das Gesinde mit dem Dienst-Ferrari zum Feinkostlädchen in der unheiligen Rothenbaumchaussee. Dort wo einst Steffi Grafs größter Fan, Günter Parche, die Kontrahentin - und Weltranglistenerste - Monica Seles niederstach. Seles’ Karriere war danach am Ende, Parche bekam zwei Jahre Haft. Die Rechtsprechung in Hamburg trieb schon immer seltsame Blüten.

Ein weiser Mann sagte einmal:
Goa would be the best [electronic music] genre ever, if it weren’t for the fucking hippies
Das trifft’s auch beim Alsterviertel. Es könnte das schönste Fleckchen Hamburgs sein, wären da nicht diese scheiß Schnösel.
500mm Vintage-Weitwinkel
Dec 9th 2009
Was macht der Mensch des 21. Jahrhunderts, wenn er auf dem Dachboden oder sonstewo ein altes Objektiv findet?
- Der Fotograf schraubt seinen T2-Adapter drauf und testet das Ding. Selbst wenn es nichts wert ist, der Spieltrieb siegt.
- Der Durchschnittsbürger bittet um eine Audienz bei der Suchgöttin, recherchiert 5-10 Minuten und verscheuert es in der Bucht an den Meistbietenden.
- Der Honk sucht sein Glück ebenfalls im Auktionshaus, allerdings ohne großes Federlesen.
Und dabei kommt dann sowas raus:

Fehlende Sachkenntnis ist keine Schande, ich wusste aus dem Stehgreif auch nicht, ob mein doch recht schweres Manfrotto-Stativ stabil genug für ein 1000mm Rubinar wäre. Aber ein paar Klicks im Netz lieferten verwertbare Informationen: für alles, was dunkler als Mittagssonne im Hochsommer ist, brauchst du einen verdammten Panzer als Unterlage. Die Russen setzten die Russentonne in der Tat als Zielvorrichtung ein. Sowas erfährt man nebenbei. Das Netz ist phantastisch.
Aus Nachlass:
Dieses Objekt muß schon she alt sein. Bestimmt vor 1960. Ist bestimmt f. Spiegelreflexcamera Canon
Einige Daten:Danubia 1:8 f=500 mm Durchmesser 67 Lens made in Japan 838632
Für Sammler geeignet.
Alt ist relativ und fürs Sammlen ist alles geeignet, selbst alte Briefmarken. Sicher, das Jüngste ist es nimmermehr, keine Frage. Aber: Canons FD-Bajonett erblickte erst im März 1971 das Licht der Fotowelt. Das EF-System, das wir heute von den digitalen Canons kennen, folgte übrigens schon 1987.
Das Danubia wurde noch als Neuware zu Euro-Preisen neu verkauft. 149.- kostete es zuletzt. Unter der Marke Beroflex war in den frühen 80ern für 179 DMark zu haben. Zum Vergleich: ein Zeiss Mirotar 4,5/500 kostete seinerzeit rund 16.000 Mark. Ein aktuelles 4,5/500er Sigma mit AF, HSM und Innenfokusierung schlägt mit rund 5.000.- zu Buche. Der alte Flaschenboden von Beroflex oder Albinar oder eben Danubia, mit Blendenvorwahl statt Springblende, ist angesichts dieser Preise bei Astro-Einsteigern noch heute recht beliebt. Das Rohr ist so simpel konstruiert, dass man’s für den Transport leicht zerlegen kann.
Man könnte viel Nettes über das alte Kanonenrohr schreiben und hoffen, dass irgendein n00b mehr als 50 Euro dafür bietet. Ich bin gespannt, wie hoch sie bei dieser Beschreibung gehen. Bis 30 Euro biete ich mit, dem Spieltrieb sei’s geschuldet.
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Für 17,50 ging’s weg und ich habe die verdammte Auktion verpennt.
Verschissen in Rissen
Dec 8th 2009
Will man aus dem Osten kommend Hamburgs Westen besuchen, steht eine kleine Reise durch Altona an. Altona ist einer der sieben Hamburger Bezirke und ebenso ein eigenständiger Stadtteil mit eigenem Bahnhof, eigener Kultur und einer vielversprechenden Bar-Szene. Vor allem jedoch ist das ganze Kaff im Kaff eine einzige Tempo-30-Zone, weil die Insassen - Körnerfresser und uniformierte Aushilfspunks - zu antiautoritär sind, um ihre Bälger ordnungsgemäß auf den Straßenverkehr vorzubereiten. Doch der Verkehrsgott war gnädig an jenem Morgen. In Altona durfte ich zum ersten Mal im Leben einen Typen dabei beobachten, wie er die Scheiße seiner Töle aufsammelte und in einem schwarzen Säckchen fortschaffte. Es gibt Tage, da liebe ich selbst rote Ampeln. Die sind in Altona so geschaltet, dass unter keinen Umständen eine “grüne Welle” entstehen kann. So ist gewährleistet, dass der verhasste Verkehrsteilnehmer mehr bremst als fährt - der Kinder wegen.
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Moorfleet
Dec 8th 2009
Moorfleet ist Teil der Marschlande und liegt unmittelbar an der Dove Elbe, einem Seitenarm der Elbe. Der Stadtteil befindet sich im feuchten Marschgebiet und ist dünn besiedelt. Moorfleet bildet den Übergang der ländlichen Vier- und Marschlande zu den Industrie- und Gewerbegebieten der östlichen Ausläufer des Hamburger Hafens.
Dieses benachbarte Industriegebiet hat was, besonders nachts. Hier wirkt Hamburg wirklich etwas weltstädtisch und nicht wie eine Ansammlung eskalierter Dörfer. Moorfleet hat einen leicht amerikanischen Look. Ein größeres Kompliment kann man einer Großstadt nicht machen.
Das Energiesparschloss
Dec 7th 2009
Fahr ich also nach Ahrensburg, um deren unheimliches Wahrzeichen in finsterer Nacht abzulichten. “Sieht sicher toll aus, wenn das angestrahlt ist - Lichteffekte bis zum Abwinken!” Aber offenbar muss auch der Schlossgeist Strom sparen, denn ums Schloss herum ist so dunkel wie im Arsch der Rehe, die ich auf dem Rückweg in Stapelfeld traf.
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Multitasking
Dec 5th 2009
Es ist viertel vor fünf, morgens. Ich zappe durch die Restfetzen des privatfernsehnlichen Nachtgeschehens und bleibe bei Pro 7 hängen. Dicke schwarze Streifen. 35mm. Spielfilmalarm. Denzel Washington erscheint, das ist im Grunde ein Grund, beim nächsten Werbespot Kaffee zu kochen, denn Mr. Washington ist ein Sehenswertigkeitsgarant. Glücklicherweise ist der Kaffee längst fertig, denn um diese frühchristliche Zeit wird Pro7 längst keine Werbeplätze mehr los und so tuckert der Film ununterbrochen weiter. Wenige Sequenzen später taucht Donald Sutherland auf, dicht gefolgt von John Goodman, und ich beginne mich zu ärgern, die erste Hälfte des Streifens verpasst zu haben.
Videotext verrät mir, dass es sich um Dämon – Trau keiner Seele aus dem Jahre 1998 handelt. Zurück im Bild sehe ich eine der besten Kamerafahrten seit langem. Ein Hauch von Ballhaus, für einen kurzen Moment. Ich muss wissen, wer das vollbracht hat. Also rasch das Netbook aus dem Sleepmode gescheucht: Wikipedia steh mir bei!
Director of Photography war Newton Thomas Sigel. Seine Filmographie läd zum Googlen ein. Zwei Klicks später finde ich mich in einem drei Jahre alten Artikel der New York Times wieder. Es geht um digitale Filmkameras. Im Hintergrund läuft der Film weiter, dessen Ende ich am Anfang dieses Eintrags bei Wikipedia gelesen habe. Längst bin ich auf Arris Webseite und genieße etwas Camera Porn.
Wie es aussah, gewann der Dämon am Ende.
Am Fischmarkt
Dec 1st 2009
Der Hamburger Fischmarkt wurde einst vorwiegend von zwei begehrten Dienstleistungsbranchen genutzt: Nutten und Crackniggerdealer. Offenbar hat man diese erfolgreichen Geschäftsleute vertrieben und setzt nun auf Kunst und seichte Unterhaltung.
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