Left 4 Bass

Apr 29th 2009

Es war irgendwann zwischen den Dynastien Xia 夏朝 und Shang 商朝 - Moses ward noch nicht geboren - da kam ich auf die Idee, aus dem Gameplay irgendeines Killerspiels ein Musikvideo zu machen. Tja, so lange ist das her. Manchmal hat so ein Wunschdenken eine enorme Halbwertzeit.

Als Macianer war und ist man in Punkto spielenswerte Games mitten im virtuellen Entwicklungsland, und mein gutes, altes Amilo war für aktuelle Spiele zu schwachbrüstig. Das Gameplay aufzeichnen, daran war gar nicht zu denken. Und so zog irgendwann eine 360 bei mir ein. Die war spieletechnisch gut bestückt und irgendwie, dachte ich, werde ich das Geflacker schon in den alten Klapprechner bekommen. Vor exakt 2 Jahren erwies sich das als Irrtum, weil ich billigen Schrott in Form eines Videograbbers kaufte. Also gut, dann eben nur zocken, macht ja auch Spaß.

Weitere Äonen später, Moses ist tot, mein Mandarin immer noch lausig, aber eine schnellere Windows-Mühle ist da. Windows heißt jetzt Vista und ist immer noch ein Gräuel und das wird sich auch nicht mehr ändern. Aber man kann auf den Dingern zocken und die große Klappschachtel ist flott genug, um im Hintergrund das Geschehen aufzuzeichnen. Left 4 Dead hatte es mir angetan. Zombies waren schon immer mein Fetisch. Fragt man die Suchgöttin nach “Screenrecorder” haut sie einem 3 Trilliarden Hits um die Augen. Es gibt dutzende dieser Dinger und wie es scheint, muss man min. 3 davon installieren. Beim Mac erledigt ein einziger alle Jobs (no pun intended, Steve).

WM Capture ist der flotteste Vertreter, recordet direkt ins WMV-Format, ohne dass am Schluss nochmal gerendert werden muss. Audioaufnahme klappt auch. Leider zeichnet das Tool stets den Mauszeiger mit auf, was bei Gameplay ziemlich dummelich aussieht. Und das lässt sich auch nicht deaktivieren. Abgesehen davon unterstützt Ableton Live das Format nicht.

Camtasia Studio hätte ich gewiss nicht gekauft. Es kostet knapp 300 Euro und schaufelt einem u.a. ein kleine Schnittsoft auf die Platte. Ein gutes Schnittprogramm habe ich bereits. Allerdings befand sich die komplette Suite auf der Heft-CD der c’t-Jubiläumsausgabe, also nauf damit. Camtasia funktionierte soweit ganz wunderbar, sieht man von der nervtötend umständlichen Bedienung ab. Doch dann meldete sich der Entwickler einer neuen Audiosoft, die ich testen sollte: Microsia. Das Programm zeigte sowohl WM Capture also auch Camtasia die Grenzen. Audio ward aufgenommen, das Bild jedoch blieb schwarz. Doch Microsias Entwicker hatte einen heißen Tipp: Fraps.

Fraps ist explizit fürs Capturing von Gameplay konzipiert. Extrem easy to use, einerseits. Andererseits lässt sich keine Fenstergröße definieren, d.h. es zeichnet immer den gesamten Screen auf, kann das Ganze aber optional in halber Größe abspeichern. Zum Glück, denn das Material landet (offenbar) unkomprimiert in einem .avi-Container. 6 Minuten Gameplay wiegen knapp 4 GB. In Left 4 Dead inzwischen einige Skillz antrainiert konnte es also losgehen. Irgendwann war ‘ne knappe Stunde Metzelei aufgenommen und in Vegas hektisch zusammengeschnitten.


Workflow vom Feinsten: Sony Vegas 8. Die Tatsache, dass Fraps unkomprimiert aufzeichnet, macht sich beim Schnitt bezahlt. Die Vorschau läuft flüssig wie Leitungswasser, erschreckend schnell sind sie richtigen Szenen gefunden. Einen Übergang erzeugt man, indem man die Szenen einfach ineinanderschiebt. Die Länge des Übergangs wird direkt in den Vorschau-Thumbnails angezeigt.

L4D noch mehr Hektik zu verleihen, war gar nicht so einfach, das Spiel hat selbst im Easy-Mode verdammt viel Drive. Der Rawcut landete nun als kleines MPG inkl O-Ton in Ableton Live. Jetzt galt es einen Track drumherum zu basteln. Drum & Bass sollte passen. 180 BPM sind für das Game eine adäquate Geschwindigkeit.


Dass Live Video unterstützt, hat 2 entscheidende Vorteile: zum einen kann man seinen Track punktgenau aufs Filmchen arrangieren, zum anderen kann man den O-Ton des Films nutzen. Die Schussgeräusche in “Left 4 Bass” entpuppten sich hie und da als passable Snare-Überstützung, einige Vocal-Samples hat das Spiel auch zu bieten.

Nachdem der Track ansatzweise fertig war, ging’s zurück nach Vegas, um unter sonnigem Workflow den Schnitt etwas aufzumotzen.


Alle paar Takte wechselt der Bass die Tonhöhe und gibt eine Art Stab-Sound, ich wollte jedesmal einen Headshot an diesen Stellen. Die entsprechenden Passagen waren schnell gefunden. Material durchsuchen und schneiden geht in Vegas mit einem Arbeitsgang.


Vegas’ Killerargument: es gibt ein Master-Output fürs Videosignal mit eigener Effektkette. D.h. Colorgrading, Kontrast, ect. wirkt gleichermaßen auf alle Clipfetzen in allen Spuren.

It’ done. Irgendwie kommt mir gerade die Idee, aus dem O-Ton des Games irgendeinen Frickeltrack zu basteln.

Music Thäng, Spieltrieb

.. to “Left 4 Bass”

  1. heikoon 20 May 2009 at 12:06 pm

    Respekt!
    Das Video und der Soundtrack kicken richtig gut!

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