500mm Vintage-Weitwinkel
Dec 9th 2009
Was macht der Mensch des 21. Jahrhunderts, wenn er auf dem Dachboden oder sonstewo ein altes Objektiv findet?
- Der Fotograf schraubt seinen T2-Adapter drauf und testet das Ding. Selbst wenn es nichts wert ist, der Spieltrieb siegt.
- Der Durchschnittsbürger bittet um eine Audienz bei der Suchgöttin, recherchiert 5-10 Minuten und verscheuert es in der Bucht an den Meistbietenden.
- Der Honk sucht sein Glück ebenfalls im Auktionshaus, allerdings ohne großes Federlesen.
Und dabei kommt dann sowas raus:

Fehlende Sachkenntnis ist keine Schande, ich wusste aus dem Stehgreif auch nicht, ob mein doch recht schweres Manfrotto-Stativ stabil genug für ein 1000mm Rubinar wäre. Aber ein paar Klicks im Netz lieferten verwertbare Informationen: für alles, was dunkler als Mittagssonne im Hochsommer ist, brauchst du einen verdammten Panzer als Unterlage. Die Russen setzten die Russentonne in der Tat als Zielvorrichtung ein. Sowas erfährt man nebenbei. Das Netz ist phantastisch.
Aus Nachlass:
Dieses Objekt muß schon she alt sein. Bestimmt vor 1960. Ist bestimmt f. Spiegelreflexcamera Canon
Einige Daten:Danubia 1:8 f=500 mm Durchmesser 67 Lens made in Japan 838632
Für Sammler geeignet.
Alt ist relativ und fürs Sammlen ist alles geeignet, selbst alte Briefmarken. Sicher, das Jüngste ist es nimmermehr, keine Frage. Aber: Canons FD-Bajonett erblickte erst im März 1971 das Licht der Fotowelt. Das EF-System, das wir heute von den digitalen Canons kennen, folgte übrigens schon 1987.
Das Danubia wurde noch als Neuware zu Euro-Preisen neu verkauft. 149.- kostete es zuletzt. Unter der Marke Beroflex war in den frühen 80ern für 179 DMark zu haben. Zum Vergleich: ein Zeiss Mirotar 4,5/500 kostete seinerzeit rund 16.000 Mark. Ein aktuelles 4,5/500er Sigma mit AF, HSM und Innenfokusierung schlägt mit rund 5.000.- zu Buche. Der alte Flaschenboden von Beroflex oder Albinar oder eben Danubia, mit Blendenvorwahl statt Springblende, ist angesichts dieser Preise bei Astro-Einsteigern noch heute recht beliebt. Das Rohr ist so simpel konstruiert, dass man’s für den Transport leicht zerlegen kann.
Man könnte viel Nettes über das alte Kanonenrohr schreiben und hoffen, dass irgendein n00b mehr als 50 Euro dafür bietet. Ich bin gespannt, wie hoch sie bei dieser Beschreibung gehen. Bis 30 Euro biete ich mit, dem Spieltrieb sei’s geschuldet.
________________________________
Für 17,50 ging’s weg und ich habe die verdammte Auktion verpennt.