CS5
Jun 13th 2010
Hurra, CS5 ist da und endlich hatte ich ein wenig Zeit, einige der brandneuen Killerfeatures zu testen. “Amazing!”, würde Steve Jobs sagen, “absolutely awesome, stunning, breathtaking, jawdropping - for fuck’s sake!! Goddamnid, we’ll never have anythäng that could even compare!!11elf!”
Aber das Apfelmännchen steht derzeit mit Adobe auf Kriegsfuss und nun gibt’s bei Apple.com für absehbare Zeit keine hanebüchenen Photoshop-Benchmark-Vergleiche. Was soll’s, es gibt auch keine Macs, die zeitgemäße Innereien haben und erschwinglich sind. Und genau die braucht Adobes Cashcow dringender denn je.
Natürlich will der Pixelschubser die Extended-Version (3D ‘n shit). Das geht massiv ins Geld, es sei denn, man hat Anspruch auf ‘ne EDU-Version (ich arbeite gerade dran). Diese 3D-Spielereien werden an Leistungshunger vom neuen KillerKaufArgument (KKA) - Content Aware - fast überboten. Natürlich sind’s diese Funktionen, die man ganz dringend haben muss, selbst wenn man auf dem Vorgänger CS4 unterwegs ist. Meine letzte Version war die CS2 für OS X, die ich mangels Mac nicht nutzen kann. Auf meiner Acer-Klappschachtel tuckert PS Elements 7. Diese Prekariatsedition ist im Grunde gut genug, um sie sich schönreden zu können, ohne rot zu werden. Aber gegen das große Brüderchen verhält sie sich wie ein Segelboot zu einem gottverdammten Flugzeugträger.

Ein paar Vergleiche:
Will man ein Bild in Schwarz/weiß kovertieren, bietet Elements drei Farbkanäle. Damit kann man selbst kontrastarmen Fotos einen brauchbaren Look verpassen, indem man die matschigen Farbbereiche etwas abdimmt und/oder zu dunkle aufhellt. Die CS-Version bringt für diesen Job sechs Kanäle mit.

vlnr: Original, einfach entsättigt, 6-Kanalfilter. Unten rechts ein Füllsel. So sah ich’s als ich auf den Auslöser drückte. Auch sowas geht mit Elements, ebenso mit Gimp. Die Bearbeitung dauert nur 10 Minuten länger.
Filter und Farbkorrekturen rausfaden - also den Effekt abschwächen - konnte PS schon zu Prä-CS-Zeiten, bei Elements muss man das über den Umweg “Ebenen” erledigen.
Den Transformierungstools der Sparversion fehlt die Warping-Option. Genau die vermisste ich immer schmerzlichst, weil es ‘ne elende Frickelei ist, punktgenaue Verschiebungen mit Elements’ Bordmitteln zu realisieren. Für CS5 hat Adobe das Transforming nun derart aufgebohrt, dass es einem nicht nur die Schuhe auszieht, es haut den ganzen Schuhschrank um. Da wäre zum einen Puppet Warp. Dem aus älteren Versionen bekanntem Warp-Transforming nicht ganz unähnlich, aber mit wesentlich mehr Lines und Schnittpunkten, die man obendrein noch frei definieren kann. Wie das tapfere Schneiderlein, das im Sauseschritt den Frack mit kleinen Nadeln absteckt, erstellt man ein Rähmchen, um das herum man hernach die zu verschiebenden Bildbereiche morpht. Ganz großes Kino.

Tailormade: dem Bogen des extrudierten, gebendeten “Micra” aus 3Ds Max wäre mit Textwarp allein nicht beizukommen.
The next big thäng: Content Aware Scale. Sieht auf den ersten Blick aus wie “frei Transformieren”, berechnet jedoch mit gediegenem Algorithmus die Umgebung und verhindert so, dass gestreckte Objekte in die Breite gehen wie Tante Gertrud nach ‘ner Hefe-Diät.

Oben: “Freie” Transformation aus den alten Zeiten
Unten: Content Aware Scale
Das Strecken verschiebt nur den Standpunkt optisch wertvoller (sprich: scharfer) Motive im Bild, ohne sie nennenswert zu verzerren. Sowas kostet freilich viel Kraft. Hat ein Foto mehr als 10 MP, kommt ein 32Bit-System mit 2-Kern-Prozzel und 4 GB RAM schnell an seine Grenzen. Das ganze CS-Bundle - so hört man - schreit laut und deutlich nach 64 Bit. Ab 8 GB Arbeitsspeicher dürfen wir mitspielen, 12 oder gar 16 wären besser, liest man in Adobes Entwicklerblogs. Tablets und Netbooks mögen nette Spielzeuge sein, aber der leistungsstarke Desktop-Dampfer wird auch in 10 Jahren noch seine Daseinsberechtigung haben.

Content Aware: Scale & Fill in trauter Zweisamkeit. Nur den roten Polo in der Mitte hat es merklich gestretched, vermutlich empfand PS den VW als optisch wertfrei.
Auch der - in Foto-Foren oft belächelte - HDR-Toning-Filter kam zum Einsatz. Die Knipser haben noch nicht herausgefunden, dass man zum einen nicht alle Regler auf Anschlag stellen muss und zum anderen auch nur Teilbereiche eines Bildes bearbeiten kann. Im Falle des HDR-Toning ist dafür ein wenig Frickelei von Nöten, da das Tool darauf besteht, erst alle Ebenen zu einem Hintergrund zu vereinen, bevor es an die Arbeit geht. Offenbar haben wir’s nicht mit einem aufgebohrten “Tiefen & Lichter” zu tun. D.h., man muss zunächst das Originalbild duplizieren, abspeichern und später übers HDR-veredelte Ergebnis legen und ggf. hie & und da etwas rausradieren. Die Arbeit nimmt man gern auf sich, besonders bei 3D-Renderings wirkt HDR-Toning Wunder.

Oben: Detailregler auf “volle Pulle” sorgt für den HDR-typischen Look, an dem sich der moderne Rezipient bereits 2007 sattgesehen hatte. Wer’s mag, kann via Radius den HDR-Stümper-Rahmen nachbauen.
Unten: Detail im Minusbereich sorgt für weiche Kanten. Fürs Endergebnis mischt man die beiden Versionen.

Geht man mit HDR-Toning behutsam vor, klappt’s auch ohne anschließende Bastelarbeit.
Photoshops 3D-Fähigkeiten sind verglichen mit 3Ds Max - aus dem “das Salz” stammt - bestenfalls rudimentär. Für eine Bitmap-Pixelschubse sind sie dennoch bemerkenswert.

ScheißNdreck: CS5 hat kein Herz für alte Rechner

Ein Jammer, denn natürlich sind’s diese Features, die vehement zum Spielen einladen.
Selbst beim “rendern” dieses Effekts in einem 500px-Bild musste ich die Parameter eintippen, weil die Regler ruckelerprobt in Hunderter-Schritten herumhüpften. Selbst meine 3600dpi-Zockermaus konnte nichts ausrichten. Was soll’s, für 3D gibt’s passendere Waffen.

Kleine Unerquicklichkeiten gibt’s noch. Dem perfektionistischen Quängelkopp könnte die Tatsache stören, dass all die uralten Filterverteranen, die wir aus den 90ern kennen, dringend etwas Modellpflege brauchen. Sie haben keine einheitliche Oberfläche, sie haben sogar verschiedene Ladebalken und nicht alle bieten eine Vorschau. Angesichts des Preises wirkt sowas in der Tat etwas befremdlich.
Dennoch, CS5 ist der Wurf schlechthin. Gute Arbeit, Adobe!